Dienstag, Januar 28, 2020

Angry World - Textdiskussion


Ich will hier ein paar Zeilen über "Angry World" schreiben weil es mich, vor allem beim ersten mal hören, sofort überwältigt hat und sich bei genauerem Hören herausgestellt hat, dass es ein sehr treffendes Bild von der Zeit zeichnet, in der wir Leben.

Das Grundmotiv in dem Song ist für mich eindeutig: Jin und Jang, das vermittelt sogar der Sound: Angry World klingt mächtig wie Gott und gleichzeitig verletzlich wie ein kleines Kind!

Lanois spielt bewusst mit Gegensätzen, denn man hört nicht nur die irre lauten Verstärker, sondern auch das klirren und schnarren der Saiten. Das vermittelt das Gefühl von Intimität, fast so als würde man direkt vor der Gitarre sitzen oder gar selbst spielen!

Daniel Lanoise dekonstruiert den Song. Er zerlegt, verfremdet und akzentuiert.

Er erzeugt dadurch eine Wahnsinnige Stimmung aber Zusammengehalten wird das Lied nur durch Young's klare Stimme, sein Gesang ist so facettenreich: Zweifelnd und doch zutiefst überzeugt im selben Moment!

Aber vor allem der Text ist Genial: In wenigen "einfachen" Verszeilen schafft es Neil Young eine ungeheure Menge an komplexen Zusammenhängen abzubilden. Jede Zeile davon enthält mehr Wahrheit als so manche (Politiker) ihr Leben lang von sich geben.

Neils Gitarrenspiel baut eine Epische Gänsehautstimmung auf und er beginnt mit einfühlsamer Stimme zu Singen:

"Some see life as a broken promise"

Sofort kommen mir Menschen in den Sinn, auf die das zutreffen könnte: Der Straßenkehrer, der einmal große träume hatte und jetzt bemerken muss, dass daraus wohl nichts mehr werden wird.

Oder

Ein junger Mensch voller Tatendrang, der glaubt die Welt verändern zu können, aber stattdessen hart auf dem Boden der Realität aufschlägt.

"Some see life as an endless Fight"

Die alleinerziehende Mutter die ums auskommen für sich und ihre Kinder kämpfen muss. Der Obdachlose im Winter der einen warmen Platz zum Schlafen finden muss.

Oder aber

Menschen die ständig unzufrieden sind, obwohl sie mehr als nur das Nötigste haben.

"They think they life in die age of darkness
"They think they life in the age of light"

Dunkelheit und Licht (Jin und Jang )

Die einen sehen nur das Schlechte und sagen: "Wir leben in finsteren Zeiten"

Die anderen sehen nur das Gute und sagen: "Noch nie gab es weniger Kriege, wir leben in goldenen Zeiten"

Und wie immer Liegt die Wahrheit in der Mitte!

"It's an Angry World"

Und dann bringt der Chorus, begleitet von einem Gitarrensound, der wie eine Schlagbohrmaschine klingt, eine weitere Komponente ins Spiel: Den Zorn.

Allgegenwärtig vor allem in den Medien!

Und Neil Beschreibt noch eine andere Art Zorn, für die jeder seine eigenen Gründe hat.

Ihn macht z.B. Zornig wie wir mit der Natur umgehen.

Die Zeile: "But everything is gonna be alright"

am Ende des ersten Chorus könnte ein Ausgleichsversuch für den ins Spiel gebrachten Zorn sein

oder aber

Ein Sinnbildlicher Selbstbetrug, begründet in Bequemlichkeit, Ignoranz, Kleinkariertheit und vermeintlicher Ohnmacht.

Kurz gesagt: Man redet sich ein:"Wird schon werden " ,nur um nichts ändern zu müssen!

Der Zweite Vers beginnt mit:

"Some see life as hope eternal"

Hier denke ich an gläubige Menschen, die Zeitlebens an ein besseres Dasein nach dem Tod hoffen.

Oder

Geistliche die in Gott die ewige Hoffnung gefunden haben

oder aber

Bemerkenswerte Leute die ewig an das gute im Menschen glauben.

Und dem krass gegenübergestellt: die nüchterne, kalte, gefühllose, berechnende Art von anderen!

"Some see life as a Buisnessplan"

Selbstverwirklichung im Beruf auf kosten der eigenen Kinder.

Menschen die ihr Glück in der Karriere suchen.

Aber auch

Eiskalte Unternehmer die Menschliche Existenzgrundlagen (Jobs)zerstören, nur um noch mehr Gewinn herauszukratzen. Menschen werden zu Zahlen. Schicksale zu Kostenfaktoren.

Und dann der Zorn derer die sich nach Gerechtigkeit sehnen und diesen skrupellosen Gestalten gern die Hölle auf den Hals wünschen würden:

"Some wish some will go to hells Inferno for screwing up their life in Freedomland"

Im zweiten Chorus kommen wieder zwei vermeintliche Gegensätze vor:

Der "Buisnessman" und der "Fisherman"

Doch beide leben sie in der selben zornigen Welt.

Plötzlich setzt die Musik aus!

Neil schreit in die Stille:

"And no doubt, everything will go as planed"

Beschwört er hier das Schicksal das angeblich zweifellos seinen Lauf nimmt?

Oder ist es die Überzeugung das es zu einer späten Gerechtigkeit kommen wird?

Oder ein trotziges: wird schon so passieren wie es soll"

Oder etwas anderes?

In jedem Fall ist auch diese letzte Zeile sehr Ambivalent, denn auch die Vorstellung an einen höheren Plan dem alles folgt hat zwei Seiten:

Einerseits ist es tröstlich und andererseits einengend.

Gut und Schlecht

Jin und Jang

Freue mich auf euer Feedback zu meiner Analyse!

Lukas Schaffenrath

{backbutton}

NY Info Suche

Rust Radio


{module Rust Radio}

Wer ist online

Aktuell sind 97 Gäste und keine Mitglieder online