Sonntag, März 26, 2017
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NY Archives


Journey through the Past
Der Weg zu Archives
von Daniel Durchholz & Gary Graff

Neil Young ArchivesNeil Young hatte die Idee, seine eigene Karriere zu dokumentieren, bereits 1977 ein erstes Mal in Angriff genommen, als er mit Decade ein Dreifachalbum mit Hits, unveröffentlichtem Material und Kommentaren zu jedem Song auf den Markt brachte. In der Zeit vor den CD-Boxen veröffentlichte damit erstmals ein Rockmusiker eine Werkschau mit so hohen Anspruch, wie man es ansonsten eher aus dem Jazz und der klassischen Musik kannte.

Im Vergleich zu Neil Youngs nächstem Vorhaben wirkte Decade allerdings wie eine 45er-Single. Nach annähernd zwanzigjähriger Arbeit erschien im Juni 2008 Neil Young Archives Volume 1, 1963–1972 in drei Formaten: Blu-ray, DVD und CD. Von den 128 Stücken war nahezu die Hälfte bis dahin unveröffentlicht oder bot alternative Versionen. Die Blu-ray und DVD-Ausgabe enthielt
zudem ein 238 Seiten starkes Buch und den lange vergriffenen Spielfilm Journey through the Past von 1972. Eine echte Fundgrube ist die Blu-ray-Ausgabe: ein interaktives Erlebnis auf dem neuesten Stand der Technik, bei dem Nutzer einen Song hören und dabei durch eine Fülle von Bildern und Infos surfen konnten. Zudem konnten sie den Inhalt über Internet und BD-Live-Technologie aktualisieren, sobald zusätzliches Material verfügbar war.

Die Materialfülle ist im doppelten Sinne erschöpfend. »Ich bin sammelwütig«, gestand Young bei der Vorstellung von Archives in San Francisco. »Ich gebe der Plattenfirma nur das, was ich die Leute zu diesem Zeitpunkt hören lassen will. Daher habe ich viel unveröffentlichtes Material. Das alles zusammengestellt erzählt eine völlig andere Geschichte als nur das, was für die Öffentlichkeit produziert wurde.«

Während der Entwicklung der Shakey Platform – benannt nach seinem Pseudonym Bernard Shakey – erläuterte Young, seine Vision der Blu-ray-Version von Archives. Es ist ... etwas Lebendiges. Es hört nie auf ... Das Navigationssystem ist das beste. Man kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten meiner Geschichte einsteigen und sehen, was damals in der Welt passierte, Kritiken, Fotos, Hintergrundgeschichten zur Musik, Outtakes, andere Aufnahmen, die am gleichen Tag gemacht wurden ... alles, Tag für Tag. Das ist etwas völlig Neues. Ich habe viele CDs gemacht und wir haben viele DVDs gemacht, aber die Blu-ray-Technologie ist allem anderen haushoch überlegen. Das ist die Zukunft, und ich konzentriere mich lieber auf das, was als Nächstes kommt.

edelverlagBereits Ende der 1980er-Jahre sprach er von dem Archives- Projekt unter dem Arbeitstitel Decade II. Schon damals schwebte ihm eine umfangreiche, mehrteilige Werkschau mit interaktiven Elementen vor. In Abständen wurden Erscheinungstermine bekannt gegeben und wieder verschoben, und so entwickelte sich das Projekt zu einer Art Godot der Musikindustrie. Im Internet wurden sogar Wetten abgeschlossen, ob Archives früher erscheinen würde als das ebenso verspätete Album Chinese Democracy von Guns N' Roses (was nicht der Fall war). Crazy-Horse-Gitarrist Frank »Poncho« Sampedro erzählte Undercover 2003: »Ich glaube,
Neil hat einfach das Gefühl (was er aber nie sagen würde), dass ein solches Box-Set herauszubringen irgendwie so etwas wie ein Zeichen für das Ende seiner Karriere ist.«

Der Grund für die Verzögerung war jedoch das Warten auf die geeignete Technologie. Nach dem Erscheinen von Archives erzählte er der Guitar World: »Auf breiterer Ebene versuchen wir, einen neuen Informationsfluss zu schaffen. In meinem Fall ist die Musik der Kitt, der alles zusammenhält. Aber es könnte alles Mögliche sein; es könnte Kunst sein, es könnte Film sein, es könnte Geschichte sein.« Young erklärte, er plane im Laufe der Zeit vier oder fünf Teile von Archives, warnte allerdings, der zweite Teil werde zwar »schneller« erscheinen, aber wohl erst »zwei oder drei Jahre« nach Volume 1. Bei seiner Reise durch die Vergangenheit war er jedoch nicht unbedingt bestrebt, eine neue Sicht auf sein Werk zu suchen. Er erklärte: Merkwürdigerweise stehe ich ihm ziemlich distanziert gegenüber, denn es ist eher eine Sammlung. Zufällig ist es mein Leben, aber es könnte auch alles andere sein. Offenbar habe ich bei dieser Arbeit einige der Dinge, die ich gesehen habe, und manche Veränderungen, die meine
Musik und die Musik allgemein seit '63 durchgemacht hat, absorbiert. Aber es gibt eine Ebene, auf der ich es als Produkt behandeln und dafür sorgen muss, dass es wirklich gut, leicht zu handhaben und von Wert ist.
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