Montag, Dezember 11, 2017
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Die Lange Nacht der von Neil Young Getöteten.

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SchwachSuper 

 

Ein Reisebericht nach Berlin und zurück.

Die Einladung zu dieser Nacht kam von unserem lieben Jens-Theo Müller und seiner Frau Elke aus Berlin. Jens-Theo, mit seiner Leidenschaft zu Neil Young, insbesondere dokumentiert durch seinen wunderbaren Radiosender: „Das Radio Der Von Neil Young Getöteten“ (http://www.drdvnyg.de/indexa.htm), nahm Kontakt zu einigen, deutschen Schauspielern auf welche auch irgendwie mit Neil Young zu tun haben.  So ergab es sich, dass der Schauspieler Thomas Rühmann, (ob er ein Enkel von Heinz Rühmann iist, konnte nicht abschliessend geklärt werden =;-)), ein Theaterkonzert im Alten Postbahnhof in Berlin gibt.

Zusammen mit dem Studiomusiker Rainer Rohloff versprach es, ein bunter Abend mit Neil Young Musik und Texten von Gerhard Gundermann (http://www.youtube.com/watch?v=jWeQJhMjm10) und vor allem aus dem Buch Navid Kermani`s „Das Buch der von Neil Young Getöteten“ zu werden. Wir waren sehr gespannt und fuhren am Samstag in aller Früh los um die 5-stündige Reise nach Berlin anzutreten. Unterwegs sammelten wir noch unsere liebe Freundin Con auf, und so ging es zu viert gen Osten. Die A2 abzuwickeln ohne jegliche Staus, war für mich auch einmalig.

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Mittags trafen wir uns mit einer Delegation aus Sömmerda, Roland und Familie waren schon einen Tag vorher angereist, in Jens-Theos und Elkes schönem Haus. In einem Pinienwald mit Seen gelegen, boten die beiden mit ihrer perfekten Gastfreundlichkeit  in ihrem Heim, einen wunderbaren Rahmen für dieses schöne Wochenende.


Da es nach dem Theaterkonzert um Rühmann noch eine Aftershowparty im Atelier Bogen 8, bei Jens Theos Künstlerfreund Rolf Hemmrich geben sollte, packten wir zunächst unser Kleinstequipment ein, um einige technischen Vorbereitungen zu treffen.
Auf, in die Innenstadt Berlin. Ich war das letzte Mal 2009 zu einem Young-Konzert in Berlin und muß sagen, „Kreuzberg wird immer schnieker“. Um unser Touristenherz zu befriedigen, ließen wir uns mit dem Doppeldeckerbus durch die Stadt gondeln und lauschten den sehr zeitnahen Ausführungen des Stadtführers, der ganz nach „Berliner Schnauze“ auch die aktuellen Machenschaften unseres Herrn Bundespräsidenten genüsslich aufs „Korn“ nahm. Nun denn, um 19:00 Uhr waren wir pünktlich am Alten Postbahnhof, an dem schon eine kleine Schar der Besucher vor dem verschlossen Eingang wartete.

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Berlin ist kalt zu dieser Zeit, und bei leichtem Frost sehnten wir uns nach Einlass. Unterdessen fragten wir uns, wie wohl die Zuschauer auf Rühmann´s Neil-Young-Programm reagieren würde. So wussten wir eingefleischten Neilfans überhaupt nichts von dessen Performance, jedoch Con`s Mama war bestens über die Aktivitäten des Schauspielers Rühmann informiert. Via Handy: „Das ist doch der berühmte Arzt (Nachfolger von Dr. Brinkmann) aber diesmal aus der Sachsenklinik, jeden Dienstag um 20:15 Uhr in der ARD mit Topeinschaltquoten“. Wir hatten überhaupt keine Ahnung davon und waren neugierig wer als erster das Lokal verlässt die „Doc-Fans“, welche mittlerweile immer zahlreicher wurden, oder wir.
Endlich wurde geöffnet und wiedererwartend war es muckelig warm in dem alten Postbahnhofsgemäuer. Tolle Jahrhundertwende-Architektur mit schwarzer, buntbeleuchteter Bühne und Sitzbestuhlung. 400 Leute passen hier rein und es war „soldout“. Bei Berliner Kindl und Weißwein retteten wir zunächst die ersten Sitzreihen für unsere 14-köpfige Truppe (inkl. Steffen, der sich auch noch kurz entschlossen einfand), um ganz nah dran zu sein.

Pünktlich um 20:00 Uhr betraten Rühmann und Rohloff, in schwarz gekleidet, unter großem Applaus die Bühne. Auf der in schwarz ausstaffierte Bühne traten somit die Köpfe der Künstler sowie die Instrumente durch die Beleuchtung besonders in den Vordergrund.
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Thomas Rühmann hielt eine kurze Einleitungsansprache, ganz in Kermanis`s Manier:
„Bald nach ihrer Geburt wird die Tochter eines jungen Paars von furchtbaren Bauchkrämpfen geplagt, Tag für Tag jene Stunden grausamer Qual - Drei-Monats-Kolik nennen es die Freunde und Verwandten verharmlosend, das Geburtssouvenir eines zynischen Gottes, schimpft der Vater und ballt die Faust gen Himmel. Nach vier durchwachten Nächten rettet Neil Young das Gottvertrauen der Familie. Schon mit den ersten Gitarrenklängen beruhigt sich das Kind. Erstaunlich aber: der betörende Effekt stellt sich nur und ausschließlich bei der Musik Neil Youngs ein. Für Vater und Tochter beginnt eine Reise durch den Kosmos des kanadischen Kultmusikers hin zu verlorenen und wiedergefundenen Paradiesen und zur Möglichkeit ekstatischen Erlebens im Alltag.“

Es beginnt (wie im Buch) mit „The Last Trip to Tulsa“, und ich war total begeistert. Aber nicht nur ich, sondern auch (entschuldigt bitte liebe Hausfrauen, ich habe allerhöchsten Respekt für Euren Job) die fernsehsicheren Hausfrauen und –männer des Publikums. Nur die wenigsten konnten die Texte leise mitmurmeln, aber der Applaus nach jedem Stück gab Rühmann mit diesem Konzept Recht. Sehr schön wie Neil mal wieder alles und alle zusammenbringt. Man muß es nur richtig einpacken.

Dann nach dem 2. Stück ergriff der Studiomusiker (Rühmanns Comusiker) Rainer Rohloff das Wort. Er beschrieb Young als guten Songschreiber, leidlichen Jammersänger (ein bisschen übertreibe ich hier vielleicht), aber dann kam`s: „als einen Gitarristen, naja, die rechte Hand geht ja noch so, aber auf der linken Hand hat er nicht viel drauf. Er beherrscht keine Skalen und Läufe“!!  Uff, dass saß bei mir aber im tiefsten Herzen wie eine sauspitze Lanze. Roland und ich schauten uns an. Würg ... . Der Mann konnte heute nicht mehr mein Freund werden. Er versuchte uns dann im Laufe des Abends zu zeigen wie man Neil-Young-Stücke eigentlich als perfekter Sologitarrist spielen könnte. Naja, dass musste ja seelenlos werden und so strampelte er sich im Laufe des Abends mit seinen perfekten Skalen und Gitarrenläufen ab. Im nachhinein fand ich natürlich die Rythmusgitarre von Rühmann sehr viel besser, da er die Seele der Neil Gitarre spürt.
Das war aber auch das einzige Manko an diesem Abend, und so spielten sich die Beiden durch das Kermanische Repertoir, immer mit vielen Zitaten aus dem Buch und Texten von Gerhard Gundermann (http://www.ostmusik.de/gundermann.htm), so dass das Publikum viel und herzlich lachte. Hin und wieder wurde ein Originalplayback von Neil eingespielt und die beiden sangen und spielten die Originalstücke. Der englische Gesang von Rühmann war als „Ossi“ vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber mir gefiel es ausgesprochen gut, zumal seine Mimik der von Alvin Lee bei der Gitarrenarbeit glich.
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Als gegen 10 das Konzert seinem Ende zuging, gab es noch einige Zugaben. Was mir aber besonders gefiel war „Dead Man“. Komisch, zu Beginn fragte ich mich, ob die das wohl auch spielen würden. Und sie taten es. Jetzt merke ich, dass Roland sich kaum noch auf seinem Stuhl halten konnte. Zu gerne wäre er (ich aber auch, hahahahahaha) auf die Bühne gesprungen um etwas mitzuspielen. Roland hatte ja auch gerade vor kurzem eine tolle Interpretation dieses Song auf (http://www.youtube.com/watch?v=kKQ-95Np47o) eingestellt. Aber wir sollten unsere Chance noch bekommen.

Das Publikum und wir gingen sehr zufrieden aus dieser Veranstaltung. Hatten wir doch eine „Neilnummer“ erleben dürfen, welche uns so bisher noch nicht „über den Weg gelaufen ist“. Die Hausfrauen waren begeistert, dass Ihr Doc auch noch mehr drauf hatte, und sogar ein richtiger Rocker war.

Wir fuhren dann gemeinsam zur Aftershowlocation. Hier arbeitet der Künstler Rolf Hemmrich, ein wirklich netter, rühriger Mann älteren Semester. Er stellte kurzer Hand seine Kunstwerke beiseite um sein Atelier für diese kleine Lifeperformance zur Verfügung zu stellen. Da habe ich aber auch schon ganz andere Künstlermentalitäten kennen gelernt. Dank an Rolf nochmals an dieser Stelle. Diese Katakomben, ich bezeichne sie mal als kleinere Kasematten, befinden sich unter U-Bahn-Linie-1. Manchmal rappelte es ein wenig, was aber gut zum Folgenden passte.
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Hier fanden wir einen perfekten Rahmen für die geladenen Freunde Jens-Theos und Rolf vor. Roland, Christian (abwechselnd mit Robert am Sitzschlagwerk) und ich stöpselten ein, und wir spielten erst einmal einige Neilsongs zum warmwerden an. Später fand sich dann auch Thomas Rühmann mit seiner Frau auch ein, und wir konnten ihn überreden (er klagte zunächst etwas über: er müsse seine Stimme schonen wegen weiterer Auftritte in den nächsten Tagen, oder so etwas) mit uns zu spielen. Er packte einen seiner eigenen Songs aus, und wir hatten gemeinsam viel Spaß bei dieser spontanen Nummer.
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Bei einem kurzen Gespräch zum Ende des Abends fragte Thomas Rühmann mich: „Und, kannst Du meine deutsche Textwahl bei den Neilsongs akzeptieren?“ Natürlich konnte ich das, nur zu gut. Ich konnte mir aber nicht verkneifen ihm zu sagen, dass ich die Anfangsworte seines Gitarristen nicht so gut akzeptieren konnte (siehe oben). Ich sagte ihm, er solle Roland engagieren, der habe auch die technischen Möglichkeiten eines Rainer Rohloff´s  und darüber hinaus haucht er der Musik auch die erforderliche Seele ein.

Es stellte sich heraus, dass Rühmann schon seit frühster Jugend Neil-Young-Fan ist und dieses auch als eine Gnade (ähnlich wie in Kermani´s Buch beschrieben) empfindet. Ich fragte ihn, ob er jemals auf einem Konzert des Meisters gewesem sei und er sprach davon, dass er das bis vor kurzem immer vermieden hatte. Er habe einfach Angst davor gehabt (ganz Schauspieler) das er von Neil ´s Lifeperformance enttäuscht würde. Aber dann besuchte er das letzte Neil Konzert in Leipzig. Er besaß, mit seinem Bruder der ihn begleitete, eine Platzkarte auf den Rängen, und es schien ihm zunächst als würden seine Befürchtungen wahr werden. Die Beiden wühlten sich dann aber nach kurzer Zeit nach vorne an die Bühne und dort sah er dann wie sehr Neil auf der Bühne an seinem Ding arbeitet (der Begriff gefiel mir), und er war begeistert.
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Gegen vier morgens verließen wir die Katakomben und mussten uns hier leider schon von der Sömmerdatruppe verabschieden. „Wir sehen uns ja bald wieder (Träne kullert)“
Nach einer ruhigen Nacht gab es ein prächtiges Frühstück, zubereitet von Elke und wir ließen beim lockeren Plaudern die Geschehnisse Revue passieren. Begleitet vom  herrlichstem Sonnenschein und leichtem Frost verließen wir Berlin Richtung Westen. Tja, tut mir leid es schreiben zu müssen, aber: Für alle Nichtdabeigewesenen – habt etwas verpasst ihr Lieben.
Vielen Dank an Jens-Theo und Elke für das.

Opa Albert, 16.01.2012

[zum ausdrucken: Der Bericht als .PDF-Datei]
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