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Lars von Törne zum Greendale-Comic

PostAuthorIconGeschrieben von: ralfboe

Autor: Von Lars von Törne

DER TAGESSPIEGEL, 21.07.2010

Der Kampf der grünen Sonne

Rockstar Neil Young hat seine Polit-Parabel „Greendale“ als Graphic Novel umsetzen lassen. Das Ergebnis ist ein pathetisches und trotzdem packendes Stück Comic-Literatur.

Der Teufel spielt Mundharmonika. Er trägt eine coole, rot-schwarze Cowboy-Kluft, kann durch Wände gehen und sieht mit seinem breiten Hut und den fetten Koteletten ein bisschen aus wie Neil Young in seinen jungen Jahren. Das ist hübsch selbstreferentiell, denn die Geschichte, in der der diabolische Mundharmonikaspieler sein Unwesen treibt, ist eine Schöpfung Youngs.

Bislang gab es „Greendale“, das Konzeptalbum von 2003, „Greendale“, die Tour, „Greendale“, den Film und „Greendale“, das Buch. Nun gibt es auch „Greendale“, den Comic, in dem wie in den anderen Werken die lose miteinander verbundenen Geschichten der Einwohner des titelgebenden, von Young erfundenen nordkalifornischen Städtchens erzählt werden. Im Kern geht es darum, wie die Menschen dort ein gutes Leben im Einklang mit ihren Nächsten und der Natur leben wollen – und wie doch immer wieder böse Mächte ihnen einen Strich durch die Rechnung machen, so auch am Vorabend des Irakkriegs 2003, als das idyllische Leben in Greendale mal wieder aus der Bahn zu geraten droht.

Dass es nun auch noch den Comic zum Album gibt, klingt auf den ersten Blick wie ein weiterer kalkulierter Merchandising-Versuch à la Der Comic zum Blockbuster XY. Ist es aber nicht. „Greendale“, der jetzt bei Vertigo als Hardcover-Buch veröffentlichte Comic, ist ein ziemlich eigenständiges, kunstvoll Traum und Wirklichkeit verknüpfendes, zwischen großer Politik und persönlichem Einfühlungsvermögen oszillierendes Werk.

Zwei aufstrebende Meister der Zunft – der Szenarist Joshua Dysart („Unknown Soldier“) und der Zeichner Cliff Chang („Human Target“, „Batman“) – haben in Zusammenarbeit mit dem Musiker aus den eher fragmentarischen Vorlagen Youngs eine große, faszinierende Comic-Erzählung mit Tiefgang gemacht.

Ein diabolische Fremder hinterlässt eine Spur der Gewalt

Im Mittelpunkt steht, wie auch in einigen Songs des „Greendale“-Albums, eine junge Frau namens Sun Green, die ein inniges Verhältnis zur Natur und das Wesen eines Engels hat. Während ihre Regierung im Frühjahr 2003 unter fadenscheinigen Gründen einen Bombenkrieg auf ein Land am anderen Ende der Welt beginnt, sieht diese Sun Green, dass sich auch daheim etwas Unheilvolles zusammenbraut. Der besagte diabolische Fremde taucht in Greendale auf und hinterlässt eine Spur der Gewalt. Allerdings bekommt kaum einer der Bewohner mit, wer hinter den Vorgängen steckt, lediglich Sun Green kann den Eindringling sehen – und nach einem harten Kampf mit weltlichen und überirdischen Mächten vorübergehend stoppen.

Bild vergrößern Das ist durchaus plakativ und streckenweise kitschig, ebenso wie die manchmal sehr demonstrativen Verurteilungen von Krieg und Raubbau an der Natur. Aus „Greendale“ spricht, wie schon im Young’schen Original, ein schier unbegrenzter Idealismus seines Schöpfers. Dazu kommen esoterisch angehauchte Passagen, in denen die Frauen verschiedener Generationen in Gedanken miteinander kommunizieren, um sich gegen das Böse zu stellen.

Und trotzdem: Wer kein vollkommen abgebrühter Zyniker ist, dürfte sich von der dramatischen Handlung packen lassen und von dem Glauben an das Gute bewegt werden, der sich in Youngs Musik wie in diesem Comic wieder findet.

Neil Young denkt schon über eine Fortsetzung nach

Dysart und Chiang schaffen es mit ihrem klaren, aufgeräumten und doch Emotionen vermittelnden Zeichen- bzw. Erzählstil, die handelnden Personen und ihre Motive gut herauszuarbeiten. Vor allem durch ihre knappen Dialoge und die oft wortlose, sensibel vermittelte Interaktion zwischen den Hauptfiguren entwickelt die Geschichte eine Sogwirkung, der man sich schwer entziehen kann.

Bild vergrößern Nach und nach wird das Geheimnis, das Sun Green und vor allem die Frauen ihrer Familie umgibt, aufgedeckt. Während Tod und Verderben zunehmend an Einfluss zu gewinnen scheinen, bekommen auch die durch Sun und ihre Ahnen repräsentierten Kräfte des Guten zunehmend Auftrieb. Am Ende erscheint ein Happy End zumindest denkbar.

Und vielleicht gar eine Fortsetzung: „Es gibt eine Menge Dinge, über die wir geredet haben, die es nicht in dieses Buch geschafft haben“, sagte Neil Young kürzlich im Interview mit der „New York Times“ über die Arbeit an dem Comic-Projekt. Weitere Episoden seien durchaus denkbar. „Diese Charaktere wurden geschaffen, um lange Bestand zu haben.“

Link zum Originalartikel

 


 

Derselbe Artikel erschien auch unter dem Titel

„Der Gezeichnete“

in SONNTAG AKTUELL – Die Siebte Ausgabe ihrer Tageszeitung, Beilage zur Stuttgarter Zeitung, 08.08.2010




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Berlin,16.06.2009, Neil ist jetzt ein Eisbär

PostAuthorIconGeschrieben von: youngsyndrom

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